Zeitleiste

  • 30. Januar 1933

    Reichspräsident Paul von Hindenburg beruft Adolf Hitler zum Reichskanzler.

  • 28. Februar 1933

    Die "Verordnung zum Schutze von Volk und Staat" beseitigte reichsweit demokratische Rechte.

  • März/April 1933

    SA und Polizeikräfte unternehmen verstärkt Razzien im "Scheunenviertel", unter anderem, um dort lebende Juden zu berauben und zu verhaften.

  • Seit Mitte März 1933

    Der neue "Staatskommissar für Berlin", Julius Lippert, veranlasst lokale Berufsverbote für jüdische Mediziner und Juristen.

  • 24. März 1933

    Das "Ermächtigungsgesetz" setzt reichsweit demokratische Rechte außer Kraft.

  • 30. März 1933

    In Berlin dürfen Anzeigen städtischer Einrichtungen nicht mehr in Zeitungen geschaltet werden, die als "jüdisch" gelten, so etwa die Erzeugnisse des Mosse-Verlags.

  • 1. April 1933

    NS-Aufruf zum Boykott und zur Demolierung jüdischer Geschäfte. In Berlin sollen Käufer in "jüdischen" Geschäften gefilmt oder fotografiert werden, um sie später kenntlich zu machen.

  • Anfang April 1933

    Zwangsbeurlaubung aller jüdischen Lehrer an städtischen Schulen.

  • April 1933

    Bei öffentlichen Ausschreibungen in Berlin gilt ein "Arierparagraph".

  • 7. April 1933

    Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums zur reichsweiten Verdrängung von Juden und politischen Gegnern des Nationalsozialismus aus dem öffentlichen Dienst. Ausgenommen sind nur Juden, die vor 1914 tätig waren, und "Frontkämpfer" aus dem Ersten Weltkrieg.

  • Mitte April 1933

    (Teil-)Sperrung von kommunalen staatlichen Beihilfen für den jüdischen Wohlfahrtsverband in Berlin und seine Kindergärten, -horte und -krippen.

  • 25. April 1933

    Per Gesetz wird der Anteil von Juden an (Hoch-)Schulen auf deren Anteil in der Gesamtbevölkerung (knapp vier Prozent) begrenzt.

  • April/Mai 1933

    Durch Reichsgesetze werden jüdische Juristen, Steuerberater, Hochschullehrer sowie Arbeiter und Angestellte im öffentlichen Dienst mit Berufseinschränkungen und -verboten belegt.

  • April/Mai 1933

    In sechs Berliner Bezirken wird jüdischen Wohlfahrtsküchen verboten, städtische Essensmarken anzunehmen.

  • Seit April/Mai 1933

    Jüdischen Jugendlichen und Jugendorganisationen wird der Zugang zu Sporteinrichtungen, Schwimmbädern und Jugendheimen in Berlin erschwert oder verboten.

  • Seit April/Mai 1933

    In städtischen Tourismusbroschüren wird nicht mehr auf jüdische Kultureinrichtungen verwiesen.

  • Seit April/Mai 1933

    Berliner städtische Immobilien dürfen nicht mehr an jüdische Organisationen vermietet oder verpachtet werden.

  • Anfang Mai 1933

    Aufrufe der "Deutschen Studentenschaft" in Berlin und anderenorts zum Boykott von Vorlesungen jüdischer Dozenten.

  • 10. Mai 1933

    In Berlin und zahlreichen anderen Städten des Reichs kommt es zu öffentlichen Verbrennungen der Bücher jüdischer und anderer den Nationalsozialisten missliebiger Autoren/innen.

  • Mitte Mai 1933

    "Nichtarische" Privatlehrer dürfen in Berlin nicht mehr unterrichten.

  • Juni 1933

    Bei der freien Arztwahl dürfen nur noch nicht-jüdische Ärzte in Berlin aufgesucht werden.

  • 1. Juli 1933

    Jüdische wie nichtjüdische Kassenpatienten in Berlin dürfen nicht mehr im Jüdischen Krankenhaus Wedding aufgenommen werden.

  • 11. Juli 1933

    Reichsweiter Beginn der Erstellung von Listen über alle jüdischen Vereine und Einzelpersonen, die politisch in Erscheinung getreten sind, durch die Gestapo.

  • 14. Juli 1933

    Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung von Staatsbürgerschaften sowie über die Einziehung von "volks- und staatsfeindlichem Vermögen" von Juden.

  • 15. August 1933

    Erlöschen der Zulassung für Börsenmakler jüdischer Herkunft in Preußen.

  • Mitte August 1933

    Badeverbot für Juden im Stadtbad Wannsee.

  • September / Oktober 1933

    Reichsweit nahezu vollständiges Berufsverbot für jüdische Künstler und Journalisten.

  • Oktober 1933

    Der Berliner Tennisklub "Rot-Weiß" schließt "nichtarische" Mitglieder aus.

  • November 1933

    Der Berliner Tennisklub "Rot-Weiß" schließt auch Ehepartner von "Nichtariern" aus.

  • Dezember 1933

    In Berliner Sportvereinen dürfen Juden nicht mehr Mitglied sein.

  • 24. Januar 1934

    Reichsweiter Ausschluss von Juden aus Gewerkschaften und Firmenleitungen.

  • 6. Juni 1934

    Preußische Lehrer, die nach dem 1. Juli 1933 "Nichtarier" geheiratet haben oder diese heiraten wollen, werden entlassen.

  • 18. Juni 1934

    Trotz der Ausnahme für "Frontkämpfer" des Ersten Weltkriegs im Reichsgesetz dürfen in der Berliner Verwaltung Juden generell nicht angestellt werden.

  • 18. Juli 1934

    Jüdische Sportvereine müssen sich in einer "Arbeitsgemeinschaft" organisieren und dürfen Sportanlagen und Bäder nur benutzen, wenn diese nicht vom Reichsbund für Leibesübungen und den nationalen Verbänden benötigt werden.

  • 2. August 1934

    Adolf Hitler wird, nach dem Tod des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, "Führer und Reichskanzler".

  • September / Oktober 1934

    In Berlin-Tiergarten wird gegen den Bau von Laubhütten (zum jüdischen Sukkot-Fest) auf Balkonen oder in Hinterhöfen aufgrund angeblicher baupolizeilicher Bedenken vorgegangen. Dies geschieht auch in den Folgejahren.

  • 9. Januar 1935

    Für Wohlfahrtsbestattungen von sozial bedürftigen Juden ist ab dem 1. April 1935 nur noch die Friedhofskommission der Jüdischen Gemeinde zugelassen.

  • 15. Juli 1935

    Mit jüdischen Partnern verheiratete Ärzte sind zur wohlfahrtsärztlichen Versorgung von sozial Bedürftigen nicht mehr zugelassen.

  • 15. Juli 1935

    Nach einem Hetzartikel im "Völkischen Beobachter", kommt es am Abend zu Pogromen durch Nationalsozialisten gegen Geschäfte jüdischer Inhaber auf dem Kurfürstendamm.

  • 16. bis 19. Juli 1935

    Gewaltsame Ausschreitungen gegen Juden am Ku´damm und im Strandbad Wannsee sowie im Hansa-Viertel, Pankow, Moabit und Neukölln. Am Strandbad Wannsee wird ein Verbotsschild für Juden aufgehängt, welches jedoch während der Olympiade 1936 auf Geheiß des Reichsaußenministeriums zeitweilig wieder entfernt wird. - Erst eine Woche nach den Pogromen werden polizeiliche Maßnahmen angeordnet.

  • 19. Juli 1935

    Für die von Juden geführten Eisdielen wird in Berlin für eine Woche die Polizeistunde auf 19 Uhr festgelegt.

  • 25. Juli 1935

    Juden werden reichsweit vom aktiven Wehrdienst ausgeschlossen.

  • Juli/August 1935

    "Boykott-Aktion" jüdischer Geschäfte in vielen Orten Deutschlands.

  • 12. August 1935

    An der Neuen Synagoge wird ein Schmähtransparent angebracht. Es zeigt einen Juden in zerfetzter Kleidung und die Beschriftung: "So werden Juden Deutschland verlassen."

  • 17. August 1935

    Die Gestapo beginnt reichsweit eine zentrale "Judenkartei" anzulegen.

  • 15. September 1935

    Verkündigung der antisemitischen "Nürnberger Gesetze": Juden werden zu Staatsbürgern "zweiter Klasse". Juden und Nichtjuden dürfen nicht heiraten, beziehungsweise sexuell miteinander verkehren.

  • 23. September 1935

    Vorstandssitzungen der Jüdischen Gemeinde in Berlin werden offiziell polizeilich überwacht.

  • 14. November 1935

    Juden werden reichsweit die noch formal bestehenden aktiven und passiven politischen Wahlrechte aberkannt.

  • Januar 1936

    Verschiedene städtische Wohnungsgesellschaften kündigen ihren jüdischen Mietern.

  • 2. April 1936

    Jüdische Kinder dürfen in Berlin kommunale oder private Kindertagesstätten nicht mehr besuchen.

  • 1. August 1936

    Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in Berlin.

  • 18. Oktober 1936

    Hermann Göring wird mit der Durchführung des "Vierjahresplanes" zur Aufrüstung Deutschlands betraut.

  • Bis Dezember 1936

    Gewerbegenehmigungen zum Vermieten von Sitzmöglichkeiten auf Plätzen und in Parks der Stadt Berlin werden nur an Nichtjuden vergeben.

  • Bis Dezember 1936

    Die Berliner Polizei schließt willkürlich eine Reihe von Fleisch- und Wurstbetrieben jüdischer Eigentümer.

  • Januar 1937

    Kampagne zum Verbot aller jüdischen Buchhandlungen und Verlage.

  • 9. April 1937

    Kinder jüdischer Abstammung dürfen Aufbauklassen der Volksschulen nicht mehr besuchen.

  • Mitte April 1937

    Auflösung der jüdischen B´nai-B´rith-Loge, zeitweilige Verhaftung aller Mitglieder, Zerschlagung der Organisation.

  • 11. Mai 1937

    Mitarbeiter der Polizei in Berlin müssen, gemäß Anordnung, den persönlichen und schriftlichen Amtsverkehr mit Juden auf das Notwendigste beschränken.

  • Bis Juli 1937

    Bei der Eröffnung von gastronomischen Betrieben durch Juden müssen diese ein Schild mit der Beschriftung "Jüdische Gaststätte" anbringen.

  • 10. Oktober 1937

    Die NS-Gewerkschaft "Deutsche Arbeitsfront" erteilt Auskunft über das Jüdisch- oder Nichtjüdischsein der Eigentümer von Unternehmen.

  • Bis November 1937

    In Berlin werden erste gelbe Bänke "Nur für Juden" aufgestellt. Andere Parkbänke werden zudem mit der Aufschrift "Für Juden verboten" versehen.

  • 16. November 1937

    Laut Anweisung des Reichsinnenministeriums werden Reisepässe an Juden nur noch in Ausnahmefällen ausgehändigt. Hierzu zählen: Emigration, Erkrankungen oder Todesfälle von Verwandten im Ausland oder Ähnliches.

  • Januar 1938

    Ausweisung von Juden aus der UdSSR aus dem Deutschen Reich.

  • Januar 1938

    Jüdischen Remigranten droht die Haft im Konzentrationslager.

  • 13. März 1938

    "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich.

  • Seit Frühjahr 1938

    Verfügungen zur Separierung von Juden im Berliner Fürsorgebereich.

  • 1. April 1938

    Seit 1933 hat sich die Zahl der in Berlin von Juden betriebenen Einzelhandelsgeschäfte von 6.000 auf 3.105 etwa halbiert.

  • 26. April 1938

    Verordnung über die Anmeldepflicht jüdischen Vermögens. Juden müssen ihr Vermögen im In- Ausland ab einem Wert von 5.000 RM registrieren lassen.

  • April/Mai 1938

    Planungen der Stapoleitstelle Berlin zur Ghettoisierung der Berliner Juden.

  • 20. Mai 1938

    Jugendämter entziehen/versagen Pflegeltern die Genehmigung zur Betreuung eines Kindes, wenn dieses und/oder mindestens eine Elternteil jüdisch ist/sind.

  • 9. Juni 1938

    Eine verspätete oder aufgehobene Zahlungspflicht von Hundesteuer darf in Berliner Finanzämtern bei Schuldnern, die Juden sind, nicht mehr gewährt werden.

  • 13. Juni 1938

    Einrichtung eines "Judendezernats" beim Polizeipräsidenten von Berlin.

  • 13.-20. Juni 1938

    Reichsweite Razzia gegen "Asoziale" im Reich. Hierbei werden auch 2.500 Juden verhaftet. Schändungen jüdischer Einrichtungen im Reich. - Die Berliner Polizei führt Razzien in Gaststätten am Kurfürstendamm durch, die Juden gehören. Es kommt durch SD, SA und NSDAP auch zu Pogromen gegen Berliner Juden.

  • 14. Juni 1938

    Durch reichsweite Verordnungen werden "jüdische Unternehmen" definiert. Es wird angeordnet, diese aus dem volkswirtschaftlichen Geschehen "auszuschließen". Die Regelungen bilden die Grundlage der nun verstärkt einsetzenden "Arisierungen" von Betrieben.

  • 28. Juni 1938

    Der Berliner Bezirk Wilmersdorf schließt jüdische Mütter von Angeboten der kommunalen Säuglings- und Kinderpflege aus.

  • 12. Juli 1938

    Ausschluss jüdischer Händler von Berliner Wochenmärkten.

  • 20. Juli 1938

    Der Berliner Polizeipräsident Wolf-Heinrich von Helldorf (1896-1944) erlässt ein ganzes Paket diskriminierender Maßnahmen, um Juden zur Emigration zu bewegen. Hierzu zählen schikanöse Ahndungen von Verkehrsvergehen sowie das Verbot von Gewerbegenehmigungen und das Verbot von Waffenbesitz.

  • 23. Juli 1938

    Juden müssen eine polizeiliche Kennkarte beantragen und unter Hinweis auf ihr Jüdischsein bei Kontrollen vorlegen.

  • 27. Juli 1938

    Das Reichsinnenministerium ordnet an, alle Straßen und Plätze, die noch mit Namen von Juden bezeichnet sind, umzubenennen.

  • 11. August 1938

    Für den kommenden Winter wird Juden in Berlin der Zugang zu Wärmeräumen untersagt.

  • 1. September 1938

    Die Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft Berlin droht allen jüdischen Mietern mit einer Mietaufhebungsklage, falls sie ihre Wohnungen nicht für "arische" Mieter räumen. - Vor Gericht haben die betroffenen jüdischen Mieter kaum Chancen auf Zurückweisung der Klage.

  • 29. September - 1. Oktober 1938

    Konferenz in München, Einverleibung von Teilen der Tschechoslowakei durch Deutschland (Münchner Abkommen).

  • 5. Oktober 1938

    Durch Verordnung werden Reisepässe von Juden reichsweit ungültig. Reisepässe für das Ausland haben nur Gültigkeit, wenn sie mit einem gestempelten "J" versehen sind, die ihren Inhaber als Juden ausweisen.

  • 27./28. Oktober 1938

    Abschiebung polnischer Juden aus dem Deutschen Reich über die grüne Grenze nach Polen. - In Berlin verhaften Polizeikräfte Juden polnischer Herkunft, die mit der Bahn bis zur deutsch-polnischen Grenze verbracht werden.

  • 8. November 1938

    Gestapo und Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda verbieten alle jüdischen Presseerzeugnisse, mit Ausnahme des kontrollierten und zensierten "Jüdischen Nachrichtenblatts". Erste Pogrome in Nordhessen und Anhalt.

  • 9./10. November 1938

    Staatlich inszenierter Novemberpogrom ("Reichskristallnacht"): reichsweit umfassende Schändungen von Synagogen, Zerstörungen von Wohnungen und Betrieben jüdischer Eigentümer sowie eine Verhaftungswelle gegen Juden. Über hundert Menschen werden ermordet. - In Berlin sind SA, HJ sowie Passanten an den Gewalttaten maßgeblich beteiligt.

  • November / Dezember 1938

    Zahlreiche reichsweite Beschlüsse dienen der Einschränkung der Gewerbefreiheit für Betriebe, die von Juden geführt werden sowie der "Arisierung" des Vermögens von Juden, der Einführung von Zwangsabgaben gegenüber Juden, der Beschränkung von Bildungsmöglichkeiten für Juden sowie deren Pflicht zur Zwangsarbeit.

  • 1. Dezember 1938

    Die Zentrale Dienststelle des Arbeitsamts Berlin wird für alle Vermittlungs- und Versicherungsfragen arbeitsloser Juden in der Hauptstadt zuständig. In den Folgejahren werden hier auch Einsätze von Juden aus Berlin zur Zwangsarbeit geregelt.

  • 3. Dezember 1938

    Der Polizeipräsident von Berlin verhängt über bestimmte Gebiete der Stadt den "Judenbann". Wer hier als Jude wohnt, benötigt einen nur für wenige Monate gültigen Passierschein. Andere Juden dürfen diese Gebiete nicht betreten. Unter den "Judenbann" fallen Teile der Wilhelmstraße, Teilabschnitte der Straße Unter den Linden sowie der Voßstraße. - Juden ist zudem, durch polizeiliche Anordnung, stadtweit der Besuch von Theatern, Kinos, Kabaretts, Konzerten, Vorträgen, Jahrmärkten, Sportplätzen, Schwimmbädern und Messehallen untersagt.

  • 8. Dezember 1938

    Seit April 1938 dürfen erkrankte Juden nur noch im Jüdischen Krankenhaus Schulstraße behandelt werden. Wegen der Überfüllung dieses Hospitals sollen erkrankte Juden in Berlin allerdings nur in unabwendbaren Notfällen auch in städtischen Einrichtungen aufgenommen werden.

  • 12. Dezember 1938

    Zum anstehenden Jahresbeginn werden Juden nicht mehr zur städtischen Volks- und Kinderspeisung zugelassen.

  • Ende Dezember 1938

    Die letzten Einzelhandelsgeschäfte mit jüdischen Inhabern in Berlin sind geschlossen oder an "arische" Inhaber zwangsübertragen worden.

  • 2. Januar 1939

    Einschränkungen der städtischen Fürsorgeleistungen für jüdische Wöchnerinnen und für jüdische Pflegekinder und Jugendliche, die der Pflege unterliegen.

  • 10. Januar 1939

    Die reichsweit seit Jahresbeginn von Juden zu führenden Vornamen Sara, beziehungsweise Israel, sind laut einer Anordnung des Polizeipräsidenten von Berlin direkt vor dem Familiennamen zu führen.

  • 20. Januar 1939

    Juden, die sich in kommunalen oder privaten Alters-, Siechen-, Zufluchts- oder Sonderheimen befinden, werden registriert, um sie zukünftig anderswo unterzubringen.

  • 8. Februar 1939

    Wohn- und Gewerberaum, der in Berlin oder München von einem nichtjüdischen Vermieter an jüdische Mieter vermietet wird, ist anzumelden. Dies gilt nicht für Gebäudeflächen, die sich bereits im Prozess der "Arisierung" befinden.

  • 17. Februar 1939

    Die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland wird zwangsweise gegründet. Sie bündelt alle jüdischen Organisationen, Stiftungen und Vereine im Reich. - Beginn der Bildung einer Zentralstelle für jüdische Auswanderung Berlin.

  • 1. März 1939

    Die unbefristete Arbeitslosenunterstützung wird für Juden deutschlandweit auf 20 Wochen begrenzt.

  • 15. März 1939

    Vollständige Besetzung der Tschechoslowakei durch das Reich.

  • 23. März 1939

    Einmarsch deutscher Truppen in das Memelgebiet.

  • 1. April 1939

    Juden dürfen in Berlin kommunale Büchereien und Lesesäle nicht mehr betreten.

  • 11. April 1939

    Das Landesjugendamt Berlin verfügt, dass bei Vormundschaften bei einer "Nichtangabe des Erzeugers" durch die Mutter eine "nichtarische Abstammung" des Vaters zu prüfen sei.

  • 30. April 1939

    Reichsweite Aufhebung des Mieterschutzes für jüdische Mieter bei "arischen" Vermietern. Jüdische Vermieter dürfen nur noch mit Genehmigung der Kommune Mieter aufnehmen. Untermietverhältnisse dürfen Juden nur noch mit "Nichtariern" eingehen. Juden können von städtischen Behörden gezwungen werden jüdische Untermieter aufzunehmen.

  • 16. Mai 1939

    Das Hauptwohlfahrtsamt Berlin weist Juden, die aufgrund des Auslaufens der ihnen gekürzten Arbeitslosenhilfe, Fürsorgezahlungen beantragen, in drei nur für Juden bestimmte Pflichtarbeitsprogramme ein.

  • 17. Mai 1939

    Bei der reichsweiten Volkszählung wird auch eine "Rassestatistik" angefertigt.

  • 4. Juli 1939

    Alle Juden werden Zwangsmitglied in der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland. Fürsorge- und Schulwesen für Juden sowie die Hilfe bei der Auswanderung sind die wesentlichen Aufgaben der polizeilichen überwachten Reichsvereinigung. In ihr werden alle größeren jüdischen Gemeinden zusammengefasst, mit Ausnahme derjenigen Berlins, die bis 1943 ihre Selbständigkeit behält.

  • 1. September 1939

    Deutscher Überfall auf Polen, Beginn des Zweiten Weltkriegs.

  • 3.-6. September 1939

    Die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland wird genötigt, alle Juden im Alter zwischen 16 und 55 Jahren statistisch zu erfassen. Alle Haushalte in Berlin bekommen einen Fragebogen zur Erfassung von Juden zwischen 16 und 55 Jahren für den späteren Einsatz als Zwangsarbeiter. Veranstaltungen des Jüdischen Kulturbundes müssen entfallen. Juden erhalten ein reichsweites Ausgangsverbot für die Zeit ab 20 Uhr.

  • Mitte September 1939

    Mehr als tausend Juden aus Berlin werden für ein Vierteljahr zur Kartoffel- und Rübenernte In Brandenburg zwangsverpflichtet.

  • 20. September 1939

    Innerhalb von drei Tagen müssen Juden alle Radioapparate, die sich in ihrem Besitz befinden, bei staatlichen Stellen abliefern.

  • September 1939

    Verbot des Baus von Laubhütten in Synagogenhöfen, respektive durch Private zu Sukkot.

  • September / Oktober 1939

    Juden aus den Grenzgebieten werden zu Hunderten in das Landesinnere umgesiedelt. Polnische Juden werden inhaftiert; diejenigen aus Berlin werden in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt.

  • Dezember 1939

    Eingeschränkte Bezugsmöglichkeit für Juden bei Reichsbezugskarten.

  • 23. Januar 1940

    Juden erhalten reichsweit keine Kleiderkarten und keine Bezugsscheine mehr für Textilien, Schuhe und Sohlenmaterial.

  • 10.-12. Februar 1940

    Deportation polnischer Juden aus Pommern in das besetzte Polen.

  • 26. Februar 1940

    Berliner Juden, die zwangsweise zum Schneeräumen verpflichtet wurden, erhalten eine Lohnkürzung.

  • 1. März 1940

    Von nun an müssen Jüdische Gemeinden alle Fälle von Emigration an die Gestapo melden.

  • 19. März 1940

    Reichsweit müssen jüdische Fernsprechteilnehmer die zwangsweise verordneten Namenszusätze Sara und Israel bei den Anmeldungen zum Telefonbuch vermerken.

  • 22. März 1940

    Anordnung zur Schließung und Räumung des Jüdischen Friedhofs Spandau sowie zur Umbettung der Toten.

  • 6. April 1940

    In Verschärfung einer reichsweiten Regelung werden in Berlin die Lebensmittelzulagen für Schwerarbeiter bei Juden beschränkt auf diejenigen, die in Rüstungs- oder Wehrmachtsbetrieben tätig sind.

  • 9. April 1940

    Beginn des Überfalls auf Dänemark und Norwegen.

  • 24. April 1940

    Auf Anordnung des Reichssicherheitshauptamtes sollen "wehr- und arbeitseinsatzfähige" Juden aus dem Deutschen Reich in das europäische Ausland, keinesfalls jedoch in Feindstaaten auswandern.

  • April 1940

    Vor allem an Lebensmittelgeschäften finden sich vermehrt Schilder, die Juden den Zugang erst ab 12 Uhr gestatten.

  • April/Mai 1940

    Alle Juden zwischen 18 und 55 Jahren sowie alle Jüdinnen zwischen 18 und 50 Jahren werden aufgefordert, sich bei den Behörden registrieren zu lassen, die für "Arbeitseinsatz" zuständig sind.

  • 10. Mai 1940

    Deutscher Angriff auf die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich.

  • 20. Mai 1940

    Auf Anweisung des Bürgermeisters von Charlottenburg werden im dortigen Bezirk von Berlin in allen Lebensmittelgeschäften, außer Bäckereien, Schilder angebracht, die Juden den Zugang erst ab 12 Uhr gewähren.

  • Ende Mai 1940

    Das Berliner Arbeitsamt (Zentralstelle) weist an, jüdische Zwangsarbeiter durch gelbe Davidsterne zu kennzeichnen, die auf Brust und Rücken zu tragen seien. Nach Protesten der Reichsvereinigung hebt die Gestapo diese Vorschrift bald wieder auf. - Nach Räumung des Jüdischen Friedhofs Spandau dürfen Juden dieses Terrain nicht mehr betreten.

  • Juni 1940

    Etwa 200 jüdische Patienten werden aus Heil- und Pflegeanstalt Berlin-Buch deportiert und in der Anstalt Brandenburg vergast. Es ist dies der Beginn des Massenmords an jüdischen Anstaltsinsassen.

  • 25. Juni 1940

    Reichspropagandaminister Joseph Goebbels wünscht, Juden erst ab 15.30 Uhr die Möglichkeit zum Einkauf zu gewähren.

  • 4. Juli 1940

    Der Polizeipräsident von Berlin ordnet an, die Einkaufszeit für Juden auf Märkten und beim Straßenhandel auf 16 Uhr bis 17 Uhr zu begrenzen. Jüdischen Zwangsarbeitern kann auf Antrag eine andere Zeitspanne gewährt werden.

  • 6. August 1940

    In der Neuen Synagoge Berlin dürfen keine Gottesdienste mehr abgehalten werden. Das Gebäude dient dem Heeresbekleidungsamt als Lager.

  • 14. August 1940

    In Verschärfung der reichsweiten Vorschriften für Juden, ihre Kennkarte bei sich führen zu müssen, ordnet der Polizeipräsident von Berlin an, dass Polizei, Vertreter von Behörden und NSDAP Juden besonders bei Nichteinhaltung der Kennkartenpflicht mit Strafanzeige zu sanktionieren haben. Die Vernehmung von Juden dürfe nicht schriftlich, sondern müsse stets nach persönlicher Vorladung erfolgen.

  • 31. August 1940

    Juden in Berlin müssen ihre Telefonapparate abgeben. Einen Monat später gilt dies auch im übrigen Reichsgebiet.

  • 10. September 1940

    In Berlin, München und dem inzwischen zum Reich gehörigen Wien wird jüdischen Mietern auch gegenüber jüdischen Vermietern der Mieterschutz entzogen. Zudem können jüdische Vermieter jüdischen Mietern schwerer kündigen. Die Maßnahmen dienen dazu, Juden besser in "Judenhäusern" "konzentrieren" zu können.

  • 21. September 1940

    In von Juden mitbewohnten Häusern Berlins sind gesonderte Luftschutzräume für diese anzulegen.

  • Oktober 1940

    Massenhafte Rekrutierung von Juden zur Zwangsarbeit im Reich.

  • Ende Oktober 1940

    Deportation von mehreren Tausend Juden aus Baden, Pfalz und dem Saargebiet nach Frankreich.

  • 1. November 1940

    Schaffung separater Notunterkünfte für obdachlos gewordene jüdische Luftkriegsopfer in Berlin-Mitte.

  • 1. Januar 1941

    Auf die Löhne jüdischer Zwangsarbeiter sind ab sofort 15 Prozent Sondersteuer zu entrichten.

  • 24. Januar 1941

    Juden dürfen in Berlin nur eine bestimmte Firma für Schuhreparaturen aufsuchen.

  • Februar / März 1941

    Tausende Juden werden aus Wien nach Polen deportiert.

  • Ende März 1941

    Massenhafte Verdrängung von Juden aus ihren Berliner Wohnungen im Rahmen der Planungen für "Germania".

  • 6. April 1941

    Beginn des deutschen Angriffs auf Jugoslawien und Griechenland.

  • 22. Juni 1941

    Der deutsche Überfall auf die UdSSR beginnt.

  • Mitte Juli 1941

    Die Jüdische Gemeinde Berlin muss an die Gestapo alle Jüdinnen bis zum sechzigsten Lebensjahr melden. Von hier gehen die Daten an das Arbeitsamt.

  • 31. Juli 1941

    Hermann Göring beauftragt Reinhard Heydrich mit der vollständigen "Evakuierung" der Juden.

  • Juli/August 1941

    Berliner Juden in Zwangsarbeit werden Ernährungszulagen für Lang-, Schwer- und Schwerstarbeit verwehrt.

  • Anfang August 1941

    Verbot für Juden aus dem "Großdeutschen Reich" auszuwandern.

  • August 1941

    Anordnung des Generalbauinspektors für die Neugestaltung der Reichshauptstadt, Albert Speer, 5.000 "Judenwohnungen" zu räumen.

  • September 1941

    Juden dürfen öffentliche Verkehrsmittel nur noch eingeschränkt benutzen. - Juden müssen mit dem "Judenstern" gekennzeichnet werden. Das Verlassen ihrer Wohngemeinde wird ihnen reichsweit untersagt.

  • 18. September 1941

    Juden ist der Zuzug nach Berlin auf Anordnung der dortigen Gestapo untersagt.

  • 18. Oktober 1941

    Erste Deportationen von Juden aus Berlin nach Łódź.

  • 14. November 1941

    Beginn der Judendeportationen aus Berlin nach Minsk und Riga.

  • 12. Dezember 1941

    Juden dürfen keine öffentlichen Fernsprecher mehr benutzen.

  • Dezember 1941

    Erste Massentötung von Juden mit Autoabgasen.

  • Januar 1942

    Juden müssen reichsweit ihre Woll- und Pelzsachen sowie Ski- und Bergschuhe abliefern.

  • 20. Januar 1942

    "Wannsee-Konferenz" zur "Endlösung der Judenfrage".

  • 24. März 1942

    Juden wird reichsweit die Benutzung innerstädtischer Verkehrsmittel untersagt. Ausnahmen gelten für Schulkinder, Angestellte jüdischer Einrichtungen und Zwangsarbeiter bei einem Arbeitsweg von mehr als einer Stunde oder 7 km.

  • 9. Mai 1942

    Weitere Teile von Ku´damm, Tauentzienstrasse und Unter den Linden werden für Juden gesperrt.

  • 15. Mai 1942

    Juden wird das Halten von Haustieren untersagt. Besitzer müssen ihre Hunde, Katzen usw. bis zum 20. des Monats zur Ablieferung registrieren lassen.

  • 6. Juni 1942

    Erste Deportation von Berliner Juden in das Ghetto Theresienstadt.

  • 11. Juli 1942

    Erste Deportation von Berliner Juden in das Konzentrationslager Auschwitz.

  • 18. September 1942

    Starke Einschränkungen des Bezugs von Lebensmittelkarten für Juden.

  • 9. Oktober 1942

    Juden wird der Kauf von Büchern in Buchhandlungen untersagt.

  • 27. Februar 1943

    Reichsweiter Abschluss der Deportationen. In Berlin werden im Rahmen der sogenannten "Fabrik-Aktion" tausende Juden, Juden, die mit nichtjüdischen Ehepartnern verheiratet sind sowie - in der Definition der Nationalsozialisten - "Mischlinge" verhaftet.

  • 6. Juni 1944

    Landung der Alliierten in Frankreich.

  • 20. Juli 1944

    Missglücktes Attentat auf Adolf Hitler.

  • März/April 1945

    Letzte Deportation von Juden aus Berlin.

  • 25. April 1945

    Erster Kontakt westalliierter und sowjetischer Truppen auf Reichsgebiet in Torgau/Elbe.

  • 30. April 1945

    Selbstmord Adolf Hitlers.

  • 2. Mai 1945

    Kapitulation der Reichshauptstadt Berlin.

  • 8./9. Mai 1945

    Bedingungslose Kapitulation der deutschen Streitkräfte - Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa und Nordafrika.