Friedhof Große Hamburger Straße

Bezirk: Mitte
Adresse vor 1945: Große Hamburger Straße 26
Adresse heute: Große Hamburger Straße 26, 10115 Berlin

Seit 1671 durften sich Juden kontinuierlich in Brandenburg - und damit auch in Berlin - niederlassen. Im Jahr darauf konnten sie hier einen Friedhof einrichten. Dort fanden bis 1827 Beisetzungen statt. Unter anderem wurde hier der Philosophen Moses Mendelsohn (1729-1786) beerdigt. Seit 1844 befand sich vor dem Friedhofsgelände, das von nun an nicht mehr für Bestattungen genutzt wurde, das Jüdische Altersheim Große Hamburger Straße (vgl. Jüdisches Altersheim Große Hamburger Straße).
1943 verwüsteten Gestapo-Mitglieder die Ewige Ruhestätte mit etwa 3.000 Grabmarkierungen für geschätzt 7.000 Menschen. Sie hoben auf dem Gräberfeld Splittergräben aus und verwendeten dafür heraus gerissene Grabsteine. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurden hier gefallene Soldaten und zivile Opfer des Luftkriegs in Massengräbern beigesetzt.
Im August 1945 wurde in einem der Massengräber der Leichnam von Heinrich Müller (1900-1945), ab Oktober 1939 Chef der Gestapo, bestattet. Dieser hatte sich Anfang Mai des Jahres das Leben genommen.
Die Ost-Berliner Stadtverwaltung beseitigte 1973 die erhaltenen Gräber von Juden sowie die Holzkreuze für Tote des Bombenkriegs. Es verblieben nur ein symbolischer Gedenkstein (der später mehrfach ersetzt werden sollte) nahe dem vermuteten Ort des Grabes von Moses Mendelssohn, sowie ein aus den Fragmenten zerstörter Grabsteine gebildeter Sarkophag. In den Jahren 2007 und 2008 konnten Friedhof, beziehungsweise Gedenkort instand gesetzt werden. Eine Tafel informiert seitdem über die Sammelgräber auf dem Gelände. 2009 führte man Epitaphe, die hier einstmals gestanden hatten, vom Friedhof Weißensee zum Friedhof Große Hamburger Straße zurück.


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