Nelly Sachs

Nelly, eigentlich Leonie Sachs wuchs in einer jüdischen Fabrikantenfamilie in Schöneberg auf. Bereits als Jugendliche wandte sie sich der skandinavischen Literatur zu und fing an, eigene Gedichte zu verfassen. Erste Veröffentlichungen folgten ab Beginn der 1920er Jahre. Waren ihre Werke zunächst von romantischen Naturbetrachtungen geprägt, so führte sie die Diskriminierung als Jüdin stärker zu raueren Betrachtungen ihrer Identität und der Verfolgung. Im Exil verarmt lebend, vermochten auch erste Veröffentlichungen ihrer Werke nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nichts an ihrer sozialen Lage zu ändern. - 1966 erhielt Nelly Sachs den Literaturnobelpreis. 1970 starb sie in Schweden.


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Migration: Nelly Sachs

Flucht und Zwangsmigration: Bereits aus Berlin geflohen (Wohnort Nelly Sachs), schrieb Nelly Sachs im schwedischen Exil die Strophe:

„O, die Schornsteine

Auf den sinnreich erdachten Wohnungen des Todes,
Als Israels Leib zog aufgelöst in Rauch
Durch die Luft –
Als Essenskehrer ihn ein Stern empfing
Der schwarz wurde
Oder war es ein Sonnenstrahl? …“

(Nelly Sachs. Gedichte 1940-1950. Herausgegeben von Mathias Weichelt, Berlin 2010 (= Nelly Sachs. Werke. Kommentierte Ausgabe in vier Bänden. Herausgegeben von Aris Fioretos. Band I), S. 11. Erstmals veröffentlicht in „In den Wohnungen des Todes“ (1947).)

Ausgrenzung und Fremdheit: Kurz nach dem Krieg schrieb sie im schwedischen Exil:

„An Euch, die das neue Haus bauen

Wenn du dir deine Wände neu aufrichtest –
Deinen Herd, Schlafstatt, Tisch und Stuhl –
Hänge nicht deine Tränen um sie, die dahingegangen,
Die nicht mehr mit dir wohnen werden
An den Stein
Nicht an das Holz –
Es weint sonst in deinen Schlaf hinein,
Den kurzen, den du noch tun mußt. ...“

(Nelly Sachs. Gedichte 1940-1950. Herausgegeben von Mathias Weichelt, Berlin 2010 (= Nelly Sachs. Werke. Kommentierte Ausgabe in vier Bänden. Herausgegeben von Aris Fioretos. Band I), S. 12. Erstmals veröffentlicht in „In den Wohnungen des Todes“ 1947)