Max Reinhardt

Max Reinhardt wurde 1873 als Max Goldmann in der Nähe von Wien geboren. 1904 änderte die Familie ihren Namen in Reinhardt. Nach Banklehre und Schauspielunterricht, arbeitete er von 1902 bis 1933 als Theaterregisseur in Deutschland und Österreich. Reinhardt begründete 1920 die Salzburger Festspiele. In Berlin und Wien betrieb er 13 Bühnenhäuser, darunter weltberühmte Bühnen wie das Theater in der Josefstadt (Wien) oder das Deutsche Theater (Berlin). Unter dem Druck der Weltwirtschaftkrise und angesichts des Rückgangs seiner Theatererfolge in Berlin gab er die Leitung der deutschen Bühnen ab. Nach wenigen Jahren in Österreich emigrierte Max Reinhardt in die USA. Hier gelang es ihm nicht mehr an seine früheren Erfolge anzuknüpfen. Verarmt starb er 1943 in New York.


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Migration: Max Reinhardt

Flucht und Zwangsmigration: Max Reinhardt floh vor den Nationalsozialisten aus Berlin (Wohnung Max Reinhardt) zunächst nach Österreich. Bereits im März 1933 wurden die deutschen Reinhardt-Bühnen zwangsenteignet. Am 16. Juni 1933 richtete Reinhardt daraufhin einen Brief an die Regierungen des Deutschen Reichs, Preußens und speziell an den für Theater zuständigen Unterrichtsminister des Deutschen Reiches. Reinhardt schenkte seine Bühnen dem deutschen Volk: „[D]a ich dem deutschen Wesen, dem ich mit augenblicklich verschmähter, trotzdem unerschütterter Liebe anhange, Wahrheit, Bekennermut und Treue eingeboren weiß, glaube ich, daß dieser immer wieder dankbar beschworene Zusammenhang [zwischen Reinhardts Wirken und international renommiertem Schauspiel; d. Red.] auch heute nicht verleugnet werden kann … Ohne Wohlwollen und ohne offizielle Förderung kann ein künstlerisches Theater gerade unter den heutigen Umständen nicht bestehen … Deshalb bleibt mir … nur die eine Möglichkeit, die Übernahme meines Lebenswerkes Deutschland anzutragen.“

„Wenn ich nun … dem Staat meinen Besitz überlasse … so nehme ich mit gutem Gewissen die Ueberzeugung mit mir, daß ich damit eine Dankesschuld abtrage für meine langen und glücklichen Jahre in Deutschland.“

Ausgrenzung und Fremdheit: In einer autobiografischen Aufzeichnung aus dem New Yorker Exil, verfasst 1943, kurz vor seinem Tod, meinte Reinhardt: „Heutzutage ernsthaft Theater zu spielen ist im Grunde genommen eine Donquichoterie. Das heißt mit künstlerischen Idealen ankämpfen zu wollen gegen die ungeheuren Windmühlen, die im Sturm unserer Zeit klappern. Die ganze Welt ist eine Bühne geworden … Große Stars spielen die Hauptrollen … Sie verkünden ihre Befehle unter Blitz und Donner der Kanonen. Sie schaffen ihre Mitmenschen nach ihrem Ebenbilde … und sie führen Kreuzzüge gegen den Glauben, gegen die Worte und gegen die Rasse ihres Herrn und Heilands. Denn sie sind eifersüchtige Götter, die keinen Gott neben sich dulden.“

(Max Reinhardt. Ausgewählte Briefe, Reden, Schriften und Szenen aus Regiebüchern. Vorbemerkung von Helene Thimig-Reinhardt. Vorwort von Josef Stummvoll. Herausgegeben von Franz Hadamowsky, Wien 1963, S. 96f., 99, 119 [in der Reihenfolge der drei Zitate])