Fakten

Hier werden kurze Erläuterungen zu Begriffen und Sachverhalten aus den vorgestellten Themenkreisen präsentiert.

  • Antijudaismus und Antisemitismus

    Juden wurden im deutschsprachigen Raum seit dem Mittelalter von den Christen als ungläubig diskriminiert. Ihre Berufswahl und Freizügigkeit waren beschränkt. Habgier und Vorurteil begründeten Plünderung, Vertreibung und Mord. Der Antijudaismus schuf "Sündenböcke" für gesellschaftliche Missstände. Mit dem Aufkommen von Rassentheorien im 19. Jahrhundert entstand ein Antisemitismus, der die angebliche Körperlichkeit und Psyche von Juden zu neuen Feindbildern kombinierte. Wie schon ältere Klischees der Judenfeindschaft wurden auch diese handlungsleitend. Alltägliche Diskriminierungen wie rechtliche Benachteiligungen dauerten so an. Eine in der Menschheitsgeschichte singuläre Systematisierung der Kenntlichmachung, der Ausgrenzung, des Raubs, der Vertreibung, der Ausbeutung und der massenhaften Ermordung von Juden stellt die Shoa dar. - Antisemitismus gibt es bis heute.

  • Besatzungszonen in Deutschland

    Nach dem Ende des von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkriegs (1939-1945) wurde das Land in die Besatzungszonen der vier Siegermächte - USA, Großbritannien, Sowjetunion und Frankreich - eingeteilt. In Berlin, das zunächst unter sowjetischer Kontrolle stand, erfolgte erst Anfang Juli 1945 eine Sonderregelung. Während sich die US-Truppen aus Teilen Mitteldeutschlands zurückzogen und sowjetische Verbände dort nachrückten, erhielten die drei Westmächte in einstigen Hauptstadt des geschlagenen Deutschen Reiches eigene Besatzungssektoren.

  • Bundesrepublik - DDR

    Bereits während der alliierten Konferenzen im Zweiten Weltkrieg zeichnete sich die Spaltung zwischen den Westmächten und der Sowjetunion ab. Der sogenannte "Kalte Krieg" zwischen Ost und West verschärfte sich mit der Aufspaltung des besetzten Deutschlands und führte 1949 zur Gründung eines demokratisch-marktwirtschaftlich orientierten westdeutschen Staates (Bundesrepublik Deutschland) unter westlichem Einfluss und der sozialistischen DDR unter sowjetischer Dominanz. Berlin behielt einen Sonderstatus als geteilte Stadt. Erst 1990 wurden beide deutsche Staaten wieder vereinigt.

  • Deutsches Kaiserreich

    Aus einer Vielzahl von deutschen Territorialstaaten und Städten entstand 1871 – ohne Österreich – das Deutsche Reich. In dieser konstitutionellen Monarchie war der Kaiser das Staatsoberhaupt. Es existierte ein Parlament. Allerdings gab es kein gleiches Wahlrecht. Frauen durften überhaupt nicht abstimmen. Der größte Teilstaat im Reich war Preußen.

  • Juden im Deutschen Reich bis 1933

    Als das Deutsche Reich 1871 gegründet, wurde, war der Prozess einer Verbürgerlicherung, eines zunehmenden Wohlstandes, vieler Juden in den deutschen Einzelstaaten in vollem Gange. Viele zog es auf der Suche nach Arbeit vom Land in die Stadt. Zwischen 1871 und 1933 lebten, mit gewissen Schwankungen, etwa eine halbe Million Juden in Deutschland. Sie stellten ungefähr ein Prozent der Gesamtbevölkerung dar. Alltagsantisemitismus und rechtliche Beschränkungen ließen die gelebte Gleichberechtigung dieser Gruppe in der Gesellschaft nur schrittweise Realität werden.

  • Juden in Berlin

    Seit 1671 lebten Juden konstant in Berlin. Bis 1933 war ihre Zahl auf 160.000 Menschen angewachsen, knapp vier Prozent der Stadtbevölkerung. In keiner Stadt des Reichs lebten mehr Juden. In der NS-Zeit wurden etwa 55.000 von ihnen deportiert. 80.000 Menschen wurden vertrieben, beziehungsweise es gelang ihnen die Flucht. Von den 7.000 jüdischen Männern, Frauen und Kindern, die sich in der Stadt verstecken konnten, starben knapp 6.000 durch Verrat oder Luftangriffe. Nach der Befreiung 1945 hatten etwa 7.000 Berliner Juden überlebt. Sie hatten Haft oder das Leben im Untergrund überlebt, manche waren Dank der Ehe mit nichtjüdischen Partnern der Deportation entgangen. Zudem befanden sich nach Kriegsende mehrere Zehntausend überlebende Juden in der Stadt, die nicht ursprünglich aus Berlin kamen.

  • Juden in Deutschland nach der Shoa

    Nach dem Holocaust entwickelte sich in beiden deutschen Staaten erneut ein jüdisches Leben. In beiden Teilen Berlins existierten jüdische Gemeinden. Ost- wie westdeutsche Juden hatten hier mit unterschiedlichen Formen von Antisemitismus zu kämpfen. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands und mit dem Zerfall der UdSSR kam es zu einem massenhaften Zuzug von Juden aus der Sowjetunion. Ihre Einbindung in die hiesigen jüdischen Gemeinden veränderte deren Zusammensetzung nachhaltig. Bis heute verfügt Berlin mit etwa 10.500 Menschen über die größte jüdische Gemeinschaft innerhalb Deutschlands. Es leben 2012 etwa eine Viertelmillion Juden im wiedervereinigten Deutschland.

  • Juden nach der Befreiung: Leben nach dem Überleben

    1945 lebten etwa elf Millionen "Displaced Persons" (DPs) auf dem Boden des früheren "Großdeutschen Reichs". Es waren Überlebende von KZ-Haft, Zwangsarbeit, Kriegsgefangenschaft und Todesmärschen, unter ihnen viele Juden. Hilfsorganisationen gaben ihnen Essen, Unterkunft und medizinische Versorgung. Vor allem galt es, sie in ihre Heimat zu bringen oder ihnen die Auswanderung vornehmlich in die USA oder nach Palästina/Israel zu ermöglichen. Berlin war seit Juli 1945 in vier alliierte Zonen geteilt. Mit der Blockade West-Berlins durch die Sowjetunion waren seit Spätsommer 1948 Repatriierung oder Emigration für DPs von hier kaum noch möglich. Daher waren nahezu alle DPs in die Westzonen verlegt worden. Bis dahin hatten alleine über 30.000 jüdische DPs Berlin durchlaufen.

  • Judentum im deutschsprachigen Raum

    Bereits in spätrömischer Zeit lebten Juden im deutschen Raum. Seit dem Mittelalter gab es jüdische Gemeinden zunächst im Rheingebiet. Ghettoisierung gegenüber der christlichen Mehrheitsgesellschaft und Benachteiligungen bestimmten lange ihren Alltag mit. Seit der Aufklärung begann der schrittweise Weg in die Gleichberechtigung von Juden in den deutschen Staaten. Die jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn (1729-1786) und David Friedländer (1750-1834) setzten sich hierfür maßgeblich ein. Gleiches lässt sich für den christlichen Juristen, Diplomaten und Schriftsteller Christian Konrad Wilhelm Dohm (1751-1820) sagen. Allerdings forderte dieser in hohem Maße die Anpassung von Juden an ihre nichtjüdische Umgebung, die Aufgabe eines Großteils ihrer Identität, als Vorbedingung ihrer Emanzipation.

  • Lebensentwürfe von Juden 1871-1933

    Juden im Deutschen Reich lebten im 19. Jahrhundert, vor der Reichsgründung, zumeist in bescheidenen Verhältnissen. Vielen gelang es aber in der Gründerzeit in das Bürgertum aufzusteigen. Während viele Juden an Glaubens- und Kulturtraditionen verschiedener Richtungen festhielten, entfernten sich andere von ihrer jüdischen Herkunft: Besuche in Synagogen blieben aus, nichtjüdische Feiertage wurden gefeiert, so das christliche Weihnachten. Manche ließen sich taufen. Mit diesen Anpassungen versuchten die Betroffenen dem fortwährenden Antisemitismus im Alltag zu entgehen. Um 1900 kam mit der zionistischen Idee ein weitere wichtige Strömung auf: Juden sollten sich demnach verstärkt auf ihre kulturelle Identität besinnen und die (Wieder-)Entstehung eines jüdischen Staates in Palästina fördern.

  • Opfergruppen im NS-Deutschland und den besetzten Gebieten

    Nicht nur Juden gerieten ins Visier der Nationalsozialisten in Deutschland sowie ihrer Helfer in den besetzten Ländern in Europa und Nordafrika. Politische Gegner (vor allem Sozialdemokraten und Kommunisten), Homosexuelle, Sinti, die oftmals als "Untermenschen" angesehenen "Slawen", Roma, Angehörige der Bibelforscherbewegung, Katholiken sowie Protestanten, die sich der Diktatur widersetzten, zählten hierzu. Alkoholiker, Prostituierte, Behinderte, Kriminelle oder andere Menschen, die als "gemeinschaftsfremd" galten oder deren "Erbgut" NS-Rassetheoretikern als nicht "wertvoll" galt, wurden aus der rassistisch definierten "Volksgemeinschaft" ausgegrenzt, verfolgt und ermordet.

  • Ost und West

    Es gibt sephardische Juden, die aus dem westlichen Mittelmeerraum stammen, und aschkenasisches Judentum aus Mittel- und Osteuropa. Wenngleich die meisten der alteingesessenen Juden im deutschsprachigen Raum auf osteuropäische Wurzeln zurück blickten, betrachteten sich viele von ihnen jedoch seit dem späten 19. Jahrhundert als "westlich" oder "sephardisch". Dieser positiven Selbst-Konstruktion stellten sie die eines "östlichen" Judentums gegenüber. Der Grund hierfür lag in sozialer Abgrenzung bürgerlicher Juden im Deutschen Reich gegenüber den nun aus dem Osten einwandernden ärmeren Juden. Mit der Zeit des Ersten Weltkriegs änderten sich teils diese Zuschreibungen . Viele jüdische Bürger, die ihrem eigenen Jüdischsein bislang wenig Aufmerksamkeit gewidmet hatten, "entdeckten" nun in den osteuropäischen Juden "ursprüngliche Traditionen" ihres Judentums.

  • Weimarer Republik

    Nachdem Deutschland den Ersten Weltkrieg (1914 - 1918) verloren hatte, war das monarchische System am Ende: Der Kaiser war ins Exil geflohen. Revolutionäre versuchten einen sozialistischen Umsturz. 1919 wurde in Weimar, wohin die verfassungsgebende Nationalversammlung vor den Unruhen in der Reichshauptstadt Berlin geflohen war, die Verfassung der neuen Republik beschlossen. Sie sah eine parlamentarische Demokratie mit freien, gleichen und geheimen Wahlen für Männer und Frauen vor. Staatsoberhaupt war der mit zahlreichen Vollmachten ausgestattete Reichspräsident. Die Weimarer Republik bestand bis 1933.

  • Widerstand

    Wer in einer Diktatur, wie etwa der nationalsozialistischen, lebt, kann sich vor die Frage nach dem eigenen Verhalten gestellt sehen. Zwischen aktivem Mitmachen, Zuschauen, Ignoranz ("innerer Emigration") oder verschiedenen Graden des Widerstands gibt es ein großes Spektrum. Als Verfolgter stellt sich die Frage nach Selbstbehauptung und Widerstand, nach der Hilfe für andere Bedrohte oder nach der Emigration anders, nämlich stets in dem von der Diktatur gegenüber den Opfern gesetzten - existenziell gefährlichen - Rahmen.